Samuel Johnson und sein Wörterbuch von 1755

Über das Werk, welches die englische Sprache definierte

Samuel Johnson verfasste 1755 ein Wörterbuch der englischen Sprache. Es blieb bis ins 19. Jahrhundert das prägende Nachschlagewerk und ist als Einzelleistung unerreicht.

Nur wenige Menschen können von sich behaupten, eine Sprache maßgeblich geprägt zu haben. Samuel Johnson kommt als Verfasser des berühmten Wörterbuchs der Englischen Sprache dieses Verdienst zu. Wer also war der Mann, der von seinen Zeitgenossen Dr. Johnson genannt wurde und zu dessen vielen Berufen neben Dichter, Kritiker, Zeitungsherausgeber, Moralist, Verfasser von Essays auch der des Lexikographen gehört?

Die Anfänge von Samuel Johnson

Geboren am 18. September 1709 als Sohn eines Buchhändlers im englischen Lichfield, begann sein Dasein nicht gerade unter den günstigsten Voraussetzungen. Aus Geldmangel sollte es Samuel Johnson Zeit seines Lebens nie möglich werden, ein vollständiges Universitätsstudium zu absolvieren und einen akademischen Titel zu erwerben. Johnson war stets darauf angewiesen, sich sein Wissen als Autodidakt durch weitläufige Lektüre selbst anzueignen.

Nach einer kurzen Episode als Schulmeister ging Johnson nach London und betätigte sich dort als Dichter, Satiriker, Übersetzer und Zeitschriftenkorrespondent, bevor er 1746 von einer Vereinigung von Verlegern mit der Erstellung eines Wörterbuchs der englischen Sprache beauftragt wurde. Er kündigte an, diese gewaltige Aufgabe allein und in drei Jahren bewältigen zu wollen!

Wörterbücher vor Johnson

Das von Samuel Johnson in Angriff genommene Wörterbuch würde nicht das erste werden. Es existierten bereits einige Werke, die Wortlisten und Erklärungen beinhalteten. Dennoch war der Bedarf an einem verbindlichen Standardwerk der englischen Sprache groß, denn die Sprache war in stetem Wandel begriffen und drohte in absehbarer Zeit so unverständlich wie das Mittelenglische zu werden, blieb sie doch weitgehend unreguliert der Willkür und Launen ihrer Benutzer unterworfen. Die bestehenden Wörterbücher erklärten hauptsächlich schwer verständliche Begriffe und Fachworte. Ihre Definitionen waren teilweise unzulänglich, und niemand hatte sich der Mühe unterzogen, Worte der Alltagssprache zu sammeln und zu erklären.

Literaturstellen als Belege

So ging Johnson also, von den Verlegern mit der Summe von 1.575 Pfund Sterling ausgestattet, an sein ungeheures Werk. Und stellte schließlich nach neunjähriger Arbeit in 1755, allein mit der Hilfe von einem halben Dutzend angeheuerter Schreiber und Kopisten, das erste Belegwörterbuch der englischen Alltagssprache zusammen. Aufnahme fanden dabei nur Wörter, deren Verwendung bereits bei englischen Autoren von Rang nachgewiesen werden konnte. Johnson las und zitierte dafür hunderte von Schriftstellern vom 14. bis zum 18. Jahrhundert. Unter den Zitaten finden sich beispielsweise Auszüge aus Werken von Shakespeare, Milton, Pope, Newton, Swift, Chaucer, Dryden und der King James Bibel.

Die Wortdefinitionen

Für alle in dieser Weise autorisierten Einträge fand Johnson Definitionen und Erläuterungen zu Bedeutung und Herkunft des Wortes. Seine Erklärungen lassen immer wieder die Originalität und den Witz und Geist ihres Verfassers durchscheinen. Man merkt es dem 42.773 Schlagworte umfassenden Wörterbuch deutlich an, dass es nicht das Produkt einer vielköpfigen Akademie war, wie bei vergleichbaren Werken im Ausland, sondern die bemerkenswerte Einzelleistung eines ebenso unabhängigen wie eigenwilligen Denkers. Selten enthält er sich seines persönlichen Urteils und nicht immer hat Samuel Johnson Recht. So sind einige wenige seiner Definitionen absurd falsch, bei anderen gibt er von vornherein seine Unwissenheit zu.

Wirkung bis in die Gegenwart

Ein großer Teil seiner Einträge dagegen wurde später in das Oxford English Dictionary aufgenommen und hat bis heute Bestand. Bis weit ins 19. Jahrhundert blieb Johnsons Werk maßgeblich und prägend für die Literatur in englischer Sprache. Sogar in heutigen Rechtsstreitigkeiten, die den ursprünglichen Sinn eines Wortes betreffen, wird auf Johnsons Wörterbuch zurückgegriffen. So zum Beispiel im Verlauf einer Klage, die jüngst das Recht des US Präsidenten anzweifelte, Luftangriffe anzuordnen. Um die Bedeutung des entscheidenden Wortes „Krieg“ in der amerikanischen Verfassung von 1787 zu bestimmen, zog man Johnsons Wörterbuch als das in jener Zeit maßgebliche heran.

Für den heutigen Leser stellt Samuel Johnsons Werk immer noch ein erstaunliches Werk dar: Wörterbuch, Zitatesammlung und englische Literaturgeschichte in einem. Ein Wörterbuch zum Lesen mit großem Unterhaltungswert und Gewinn, zugänglich und persönlich ansprechend durch die Leistung eines außergewöhnlichen Menschen. Samuel Johnson führte kraft seines überragenden Geistes ein außerordentlich fruchtbares Leben, welches zusammen mit seinen persönlichen Eigenheiten von seinem Freund und Biographen James Boswell detailliert festgehalten wurde. Dem Autodidakten ohne Hochschulabschluss wurde für seine Verdienste der Titel eines Doktoren der Rechte ehrenhalber verliehen. Er starb am 13. Dezember 1784 und liegt in der Westminster Abbey begraben.

Verwendete Literatur

James Boswell: The Life of Samuel Johnson. Penguin Classics 1986.

Jack Lynch (Hrsg.): Samuel Johnson's Dictionary 2004.

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